Bedürfnisorientiert – alle reden davon, aber wie geht das genau?

Bergtour ohne Wanderkarte und Ziel?

Genauso wie wir keine KFZ-Lehre machen, nur weil wir ein Auto besitzen, machen wir auch kein Psychologie- oder Pädagogik-Studium, nur weil wir Kinder haben und diese gut in ihr Leben hinein begleiten wollen. Aber manchmal, so hab ich das Gefühl, nehmen wir Herausforderungen an ohne uns über die Rahmenbedingungen im Klaren zu sein. So wie es auch nicht ratsam ist, einen Berg zu erklimmen, ohne feste Bergschuhe, einer Wanderkarte und einer Idee, wo wir eigentlich hinwollen, ist es auch wenig ratsam, „Erziehungstrends“ zu folgen ohne genauer hinzuschauen bzw. in uns hinein zu horchen. Denn nur in uns finden wir unsere wahren Antworten.

Kindliche Bedürfnisse vs. Wünsche

Wenn wir bedürfnisorientiert erziehen wollen, gibt ein paar Sidefacts, die wir im Hinterkopf haben sollten. Da ist die Frage: Was sind eigentlich kindliche Bedürfnisse? Und gibt’s einen Unterschied zu Wünschen, zu Lust oder Unlust? Die Antwort ist Jaaaaaa! Kindliche Bedürfnisse lassen sich auf ganz wenige herunterbrechen. Kinder BRAUCHEN (!) liebevolle Beziehungen, Sicherheit & Schutz, das Gefühl, wahrgenommen & ernst genommen zu werden, die Möglichkeit zur Exploration bzw. zum Lernen, sie brauchen Orientierung & Führung und dann noch Gemeinschaft. That’s it! Das sind kindliche Bedürfnisse und daran sollten wir uns orientieren, wenn wir bedürfnisorientierte Eltern sein wollen.

Was wir leider oft vermischen, vertauschen, verwechseln oder schlichtweg nicht im Blick haben ist, dass sich kindliche Bedürfnisse von kindlichen Wünschen unterscheiden. Nicht nur bei Kindern übrigens. Wir unterscheiden überhaupt wenig zwischen Bedürfnissen und Wünschen und deshalb bekommen ganz viele Menschen viel zu viel von dem, was sie WOLLEN, aber zu wenig von dem, was sie BRAUCHEN. Das Resultat daraus ist Unzufriedenheit und Hunger, weil uns die Erfüllung unserer Wünsche im Vergleich zu unseren Bedürfnissen langfristig nicht satt macht.

Ein Nein darf sein

Nein gehört dazu. Auf alle Fälle. Ein NEIN zu einem Wunsch!
Dieses Nein wird sehr wahrscheinlich zu Frust führen. Und hier sind wir Eltern gefragt, nämlich dahingehend, dass wir diesen Frust auszuhalten lernen und die Verantwortung für diesen Frust übernehmen – in dem Wissen, dass wir unseren Kindern damit sogar ein Geschenk machen. Frust wird ihnen nämlich früher oder später so oder so begegnen. Nicht, weil das Leben kein Ponyhof ist, sondern weil Frust schlichtweg zum Leben dazu gehört.

Ein Nein zu einem Bedürfnis hingegen kann leicht zu Verunsicherung führen. Das heißt aber nicht, dass wir Eltern immer und überall auf die Bedürfnisse unserer Kinder eingehen können. Denn wir haben selbst auch Bedürfnisse und die sind ebenso wichtig wie die unserer Kinder (wird übrigens bei bedürfnisorientierter Elternschaft gerne vergessen). Solange wir die Beziehung zu unseren Kindern nicht abbrechen, ist alles in Ordnung. Die Beziehung ist das höchste Gut in der Familie – der Austausch, das Interesse, die Neugier aneinander, die Bemühung, sich gegenseitig verstehen zu wollen, die Bereitschaft, in die Schuhe des anderen zu schlüpfen.

All das ist DIALOG – LIEBE –  BEDÜRFNISORIENTIERT!